III. Therapie / Behandlung bei Laktoseintoleranz

1. Grundprinzip der Therapie

Das Grundprinzip der Ernährungstherapie besteht darin, Milch und Milchprodukte sowie Lebensmittel, die Laktose enthalten nur im eingeschränkten Maße zu verzehren bzw. darauf zu verzichten. Die Therapie hängt vom Schweregrad der Unverträglichkeit ab. Dies kann von einer völligen Unverträglichkeit bis hin zu einer leichten Unverträglichkeit reichen. Wichtig ist, das ein jeder Betroffene seine Toleranzgrenze kennt und weiß welche Menge an Milchzucker (ohne Beschwerden) vertragen werden.

Nur selten kommt es bereits bei sehr geringen Lactosemengen (unter 3 g) zu Unverträglichkeitsreaktionen, so dass Lebensmittel mit dieser geringen Milchzuckermenge in kleinem Maße meist ohne Probleme vertragen werden. Symptome und Beschwerden treten oft erst bei Laktosemengen von über 10 g auf.

Tabelle: Abhängigkeit Schweregrad zur Menge an Laktose, die problemlos vertragen wird:

SchweregradVerträgliche Laktose in g / Tag
leicht8 – 10 g
mittelbis 1 g
schwerohne

2. Was bei einer Therapie / Diät zu bedenken ist!

Da aufgrund der Therapie und Diät Milch und Milchprodukte reduziert oder gar ganz gemieden werden, besteht die Gefahr eines Calcium-Mangels. Milchprodukte sind die Hauptlieferanten des Mineralstoffes Calcium, welches unter anderem für die Stabilität des Knochengerüstes mitverantwortlich ist. Bei einem Laktasemangel besteht daher die Gefahr einer Osteoporose. Zusätzlich kann es zu einem Eiweißmangel kommen – speziell bei Veganern und Vegetariern.. Grundkenntnisse über die Nährstoffzusammensetzung von Nahrungsmitteln und des Nährstoffbedarfs sind daher besonders wichtig.

a. Ausgewogene Ernährung als wichtige Basis

Eine gesunde und vollwertige Ernährung ist daher eine wichtige Voraussetzung um gesund und leistungsfähig zu sein, aber auch um sich wohl zu fühlen und genügend Abwehrkräfte gegenüber Krankheiten entwickeln zu können. Die Ernährung solle so ausgewogen sein, dass der Körper alle notwendigen Nährstoffe in ausreichender Menge erhält. Allgemein gilt: Pflanzliche Lebensmittel, Obst und Gemüse, sowie Vollkornprodukte sorgen für die wichtigsten Nährstoffe und für wenig Kalorien.

b. Calciumzufuhr

Um den Calciumbedarf bei einer Laktoseintoleranz zu decken, kann auf calciumhaltiges Mineralwasser ausgewichen werden. Ein Mineralwasser darf die Bezeichnung “calciumhaltig” tragen, wenn es mind. 150 mg Calcium pro Liter enthält. Und es sollten calcium-reiche Gemüsesorten – siehe Tabelle unten – vermehrt in den Speiseplan eingebaut werden. In manchen Fällen ist zusätzlich die Einnahme von Calcium in Form von Calciumpräparaten oder die Zufuhr calcium-angereicherter Lebensmittel – z.B. Fruchtsäfte – notwendig.

Nachfolgend finden Sie zwei Lebensmitteltabellen für calciumhaltige Lebensmittel. Den Spalten können Sie entnehmen welche Lebensmittel bei MEHRFACH-INTOLERANZEN und -ALLERGIEN geeignet sind.


1. Lebensmittel-Tabelle: Diese calciumreichen Gemüsesorten können häufiger in den Speiseplan aufgenommen werden.

Calciumreiche LebensmittelGeeignet bei Laktose-ITGeeignet bei
Gluten-IT
Geeignet bei Fructose-ITGeeignet bei Histamin-IT
Fenchel
Brokkoli
Grünkohl√ (jed. blähend)
Porree / Lauch
Staudensellerie
Spinat, Spinat tiefgefroren
Mangold
Tofu

 

 

 2. Lebensmittel-Tabelle: Die nachfolgenden Lebensmittel sind zum Anreichern der Kost geeignet, sofern verträglich.

Calciumreiche LebensmittelGeeignet bei Laktose-ITGeeignet bei
Gluten-IT
Geeignet bei Fructose-ITGeeignet bei Histamin-IT
Petersilie, Schnittlauch, Dill
Meerrettich
Gartenkresse
Löwenzahnblätter
Kichererbsen
Weiße Bohnenin kl. Mengen
Kakaopulver, fettarm
Sonnenblumenkernein kl. Mengen
Sesamin kl. Mengen
Mandelnin kl. Mengenin kl. Mengen
Paranüssein kl. Mengen
Pistazienkernein kl. Mengen
Haselnüsse
Walnüsse
Linsen
Sojabohnen
Sojasprossen
Getrocknete Feigen
Bierhefeflocken

 

c. Vitamin D

Zudem sollten Sie auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten, da Vitamin D den Calciumhaushalt reguliert. Steht dem Körper nicht genug Vitamin D zur Verfügung, wird Calcium vom Körper schlechter aufgenommen. Vitamin D kann unser Körper selbst unter dem Einfluss von Sonnenlicht synthetisieren. Gerade in den dunklen Wintermonaten ist es jedoch wichtig, die Zufuhr von Vitamin D über die Nahrung zu erhöhen. Besonders fettreiche Fische wie Hering, Makrele und Lachs enthalten viel Vitamin D.

d. Eiweißzufuhr

Milch und Milchprodukte sind gute Quellen für hochwertiges Eiweiß. Achten Sie daher auch auf eine ausreichende Eiweiß-Zufuhr, um trotz des Verzichtes auf Milch gut versorgt zu sein. Die besten Alternativen zur Versorgung mit hochwertigem, tierischem Eiweiß sind Fleisch, Fisch und Eier.

 3. Ernährungstherapie in der Praxis

Achten Sie auf die Inhaltsstoffe!

Hierzu ist notwendig, die Deklaration der Inhaltsstoffe auf den Nahrungsmitteln gut durchzulesen bzw. Informationen über Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln einzuholen. Und lesen sie das Zutatenverzeichnis immer, denn die Hersteller können die Zusammensetzung ihrer Produkte jederzeit verändern. Im Zweifelsfall besteht auch die Möglichkeit, direkt beim Hersteller nachzufragen.

Kennzeichnung / Deklaration von Lebensmitteln

Bereits seit dem 20. März 2000 existiert in Europa die Richtlinie 2000/13/EG über die Etikettierung und Deklaration von verpackten Lebensmitteln. Seit dem 26. November 2007 ist die neue, derzeit aktuelle Richtlinie 2007/68/EG in Kraft getreten, die viele bisher bestehende Lücken in der Allergenkennzeichnung beseitigt. Es wurden zwei weitere zu deklarierende Lebensmittelgruppen hinzugefügt, d.h. es müssen jetzt insgesamt 14 auf dem Etikett angegeben werden.

Neue Richtlinie 2007/68/EG

Die am 26. 11. 2007 in Kraft getretene Richtlinie 2007/68/EG (Überarbeitung von 2003/89/EG) über die Etikettierung bei verpackten Lebensmitteln erleichtert es, den Betroffenen laktosehaltige Produkte zu erkennen. Die 14 häufigsten Verursacher von Lebensmittelallergien und -unverträglichkeiten müssen auf der Zutatenliste jedes Lebensmittels aufgelistet sein. Dazu gehören auch Milch und Milchprodukte einschließlich Laktose, wenn sie wissentlich bei der Verarbeitung und Herstellung von Lebenmitteln verwendet wurden.

Laktose wird häufig als Trägersubstanz für Aromen oder Gewürzmischungen eingesetzt. Weil damals keine Deklarationspflicht bestand, stellte dies für Betroffene ein Problem dar, welches mit der Richtlinie 2003/89/EG gelöst werden konnte. Laktose muss deklariert werden, selbst wenn sie nur als Trägerstoff eingesetzt wird.

Inhaltsstoffe von sogenannten Lebensmittelzusatzstoffen, die weniger als 25% des Zusatzstoffes ausmachen, mussten bis November 2004 jedoch nicht aufgeführt sein. Diese Regelung entfällt – alle Bestandteile von zusammengesetzten Zutaten müssen nun deklariert werden. Allerdings gibt es andere Ausnahmen: Alle zusammengesetzten Zutaten, für die kein Zutatenverzeichnis vorgeschrieben ist (z.B. Käse, Joghurt), sind von der Kennzeichnung ausgeschlossen. Kräuter- und Gewürzmischungen sowie Zutaten, die im EU-Gemeinschaftsrecht geregelt sind, gilt eine 2%-Regelung, die besagt, dass Laktose, die zu weniger als 2% im Endprodukt enthalten ist, nicht deklariert werden muss.

Lesen Sie hier mehr zum Thema: Neue Richtlinie 2007/68/EG

Aber Achtung!

Bei Lebensmitteln mit langem Mindesthaltbarkeitsdatum wie z.B. Gewürzmischungen muss man noch mit nicht gekennzeichneter Laktose rechnen. Die EU-Richtlinie gilt ausschließlich für verpackte Lebensmittel. Bei allen unverpackten Lebensmitteln ist Vorsicht geboten, z.B. bei Eis aus der Eisdiele. Auch in frischem Brot vom Bäcker kann Laktose enthalten sein, da diese zu der schönen Braunfärbung beiträgt sowie viele Medikamente enthalten häufig Laktose. Speziell bei Medikamenten fragen Sie Ihren Arzt nach laktosefreien Alternativen.

4. Laktoseintoleranz Tabletten

Informationen über Lactase Enzym Präparate

Bei Laktoseintoleranz kann das fehlende Enzym Laktase in Form von Tabletten zugeführt werden. Für viele Betroffene von Laktoseintoleranz sind diese Präparate eine Möglichkeit unbeschwert auswärts essen zu können oder das ein oder andere Mal zu sündigen ohne die typischen Beschwerden und Symptome, die normalerweise mit dem Konsum von Milchprodukten einhergehen, zu bekommen.

Die Tabletten oder Kapseln werden in der Regel unmittelbar vor dem Essen von milchzuckerhaltigen Lebensmitteln eingenommen. Die zugeführte Laktase Enzyme können dann den mit der Nahrung aufgenommenen Milchzucker in seine Bestandteile Galactose und Glucose spalten. Die üblichen Problemen wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall, die bei Laktoseintoleranz häufig auftreten, können mit diesen Tabletten somit vermindert oder sogar vermieden werden.

Dosierung von Lactase

Die Dosierung von Lactase Enzym Tabletten gestaltet sich mitunter schwierig da sie zum Einen von der noch bestehenden Lactaseaktivität des Betroffenen, zum Anderen vom Laktosegehalt der Nahrung abhängt. Ein Arzt kann somit im Normalfall keine generelle Empfehlung zur Dosierung aussprechen. Die Dosierung der Laktoseintoleranz Tabletten hängt also vom Einzelfall und der konkreten Situation ab. Es sollte in jedem Fall mit kleinen Dosen begonnen und genau auf die Verträglichkeit geachtet werden. Obwohl Lactase Tabletten nicht apothekenpflichtig sind, muss der Beipackzettel genau gelesen werden.

Laktase Tabletten gibt es in verschiedenen Stärken (FCC-Einheiten). 1000 FCC entsprechen 70 Milligramm Lactase und können 4-5 Gramm Milchzucker spalten.

Verträglichkeit und Nebenwirkungen der Enyzm Präparate

Nach der Einnahme von höheren Dosen Lactase können Magenschmerzen entstehen. Über Verträglichkeit und Nebenwirkungen sollten somit vor der Einnahme in jedem Fall mit einem Arzt gesprochen werden.

 

 

 


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Allgemeine Informationen zu Laktoseintoleranz
Diagnose von Laktoseintoleranz
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